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Sounds of Iraq - Music Instruments (2 May 2003)


Redaktion: Martin Riha
Text: Robert Eichriedler
Sprecher: Stefanie Reiter & Martin Riha

Musikinstrumente des Irak

Die große Vielzahl an Musikinstrumenten im Irak spiegelt die kulturellen und geographischen Bedingungen des Landes wieder. Unterschiedliche Lebensweisen, zwischen nomadisch und niedergelassen, und vielfältige Glaubensrichtungen bilden den Hintergrund der verschiedenen ethnischen Gruppen.

Norden

Der Norden des Landes weist eine große Vielfalt an Blasinstrumenten auf. Der folgende Text soll einen kurzen Überblick geben: Der nay ist eine Rohrflöte, die auch in anderen Regionen üblich ist. Shabba bezeichnet eine Holzflöte, die von den Yezidis gespielt wird. Vornehmlich von Hirten und jungen Leuten wird die masul, eine Spaltflöte, verwendet. Die Turkmenen von Kirkuk musizieren auf der balaban oder der garnata. Die garnata ist ein spezieller Typus einer geraden, zylindrischen Schalmei mit einem breiten Doppelrohrblatt. Eine konische Schalmei ist die zurna ist, die im ganzen Land verbreitet ist und meist von der tabl, einer Trommel, begleitet wird. Diese Duo wird tabl wa zurna genannt.

Nach dieser Auflistung verschiedener Blasinstrumente, werden der nay und die zurna etwas näher vorgestellt:
Nay bezeichnet die klassische arabische Rohrflöte. Dieses Instrument ist im Nahen Osten seit dem 3. Jahrtausend vor Christus gebräuchlich. Der nay ist ein weit verbreitetes Volksmusikinstrument im arabischen Raum. Die Flöte wird aus Rohr oder Holz, gelegentlich auch aus Metall, hergestellt. Ihre Länge beträgt zwischen 25 cm und etwa einem Meter, auf der zwischen 5 und 8 Grifflöcher verteilt sind. Oberhalb der Fingerlöcher befindet sich normalerweise ein Daumenloch. Das Instrument wird schräg gehalten und am oberen, abgeschrägten Ende angeblasen. Dabei wird die Flöte entweder an die Lippen oder an die Zähne gepresst. Durch diese Technik erreicht der nay einen Tonumfang von bis zu 3 Oktaven. Zusätzlich wird die Klangfarbe des Instruments äußerst vielfältig variiert. Der nay ist häufig das einzige Blasinstrument, das im klassischen Ensemble des mittleren Ostens gespielt wird.

Die zurna ist eine im gesamten arabischen Raum verbreitete volkstümliche Oboe. Sie zählt zu den Doppelrohrblattinstrumenten. Das Instrument wird aus einem Stück Holz auf eine Länge zwischen 20 und 60 cm gedrechselt. Charakteristisch ist ihre weit ausladende, trichterartige Form. Die zurna hat 7 Fingerlöcher und ein Daumenloch auf der Rückseite. Der Tonumfang des Instruments erreicht bis zu 2 Oktaven. Aufgrund der lauten und schrillen Töne wird sie hauptsächlich als Freiluftinstrument gespielt. Gewöhnlich wird zur Begleitung der zurna eine Trommel geschlagen. Tritt sie paarweise auf, wird von einem Instrument die Melodie, vom anderen ein Bordunton gespielt. Die zurna wird bei Hochzeiten und Begräbnissen, in militärischen Ensembles sowie bei islamischen Festlichkeiten eingesetzt.

Ein weiteres charakteristisches Instrument des Nordens ist der tanbur oder saz. Der tanbur ist eine Langhalslaute, die von den Turkmenen und Kurden gespielt wird. Eingesetzt wird das Instrument hauptsächlich zur Begleitung von Liedern und bei religiösen Zeremonien. Die Yezidis erlauben das Spielen der Langhalslaute nur an heiligen Plätzen. Zum Beispiel im Tal Lalech, nordöstlich von Mosul, wo das weltliche tabl wa zurna Duo nicht zugelassen ist.

Tanbur bezeichnet im Mittleren Osten allgemein Langhalslauten verschiedener Bauart. Ihren Ursprung finden diese Instrumente in der mesopotamischen Laute der akkadischen Zeit, etwa 3000 vor Christus. Bereits in vorislamischer Zeit existierten zwei Arten dieser Lauten: Eine persische und eine irakische. Im Irak und in Syrien wird der tanbur heute ausschließlich als Volksmusikinstrument eingesetzt. Neben der Begleitung von Liebesliedern und epischen Gesängen, wird das Instrument auch solistische eingesetzt. Der Hals des tanbur ist bis über einen Meter lang und in bis zu 24 Bünde unterteilt. Die Saiten werden mit den Fingern oder mit einem Plektron gezupft. Der tanbur erreicht einen Tonumfang von über 2 Oktaven.

Das gängigste Instrument bei den nomadischen Beduinen ist die rababa, eine einsaitige Geige mit rechteckigem Körper. Das Instrument wird im Hauptzelt des Stammes gespielt. Bei den halb niedergelassenen Stämmen wird eine andere Form der rababa verwendet: Die rababa mit konkaven Zargen. Als Resonanzkörper wird oft auch ein Ölfaß aus Metall verwendet. Der Mörser zum Kaffeereiben wird dabei auch wegen seiner rhythmischen Qualitäten eingesetzt. Jeder arabische Scheich ist auf einen Experten angewiesen, der die Kaffeebohnen in einem speziellen, den Stamm identifizierenden Rhythmus zerstampft.

Als rabab werden Spießlauten, sowie Kurz- und Langhalslauten bezeichnet. Der Name kann sowohl für ein Streichinstrument , als auch für ein Zupfinstrument stehen.
Die Urform der rabab dürfte die, noch heute von Nomaden des arabischen Raumes gespielte, rababa sein. Dieses Instrument besteht aus einer Saite und einem rechteckigen Resonanzkasten.
In unterschiedlicher Ausführung, mit 2, 3 oder 4 Saiten und einem halb-kugelförmigen Corpus aus Holz, hat sich die rabab im ganzen islamischen Raum verbreitet.
Mit der Ausbreitung des Islam kam die rabab über Spanien nach Westeuropa. Seit dem 14. Jahrhundert wird das Instrument auch im südostasiatischen Raum unter dem Namen rebab gespielt.

Zwei-Strom-Land

Im ländlichen Mesopotamien sind drei Instrumente gebräuchlich. Die mitbaj, eine Doppel-Klarinette mit 6 Grifflöchern auf jedem Rohr. Sie wird von den Hirten gespielt und zur Begleitung der kommunalen Tänze bei wichtigen Festlichkeiten eingesetzt.
Die wichtigsten Rhythmusinstrumente sind: tabl, drnga oder khishba und daff. Die drnga oder khishba ist eine einfache Trommel aus Holz oder Ton. Diese Instrumente werden gewöhnlich von Frauen gespielt.

In islamischen Ländern bezeichnet tabl im allgemeinen Trommeln. Im speziellen ist damit eine zweifellige, zylindrische Trommel gemeint. Bereits in vorislamischer Zeit wurde der tabl auf der arabischen Halbinsel von Sängern als Begleitinstrument gespielt. Das Instrument wurde meist um den Bauch des Spielers gebunden und mit dünnen Stöcken oder geknoteten Riemen geschlagen. In unterschiedlichen Ausführungen mit verschiedenen Spielweisen ist der tabl heute von Spanien bis nach Indien verbreitet.

Daff ist eine Gattungsbezeichnung für runde einfellige Rahmentrommeln des mittleren Ostens. An diesen Trommeln sind oft Rasselkörper und kleine Schellen angebracht. Gespielt wird das Instrument, wie ein tamburin, mit beiden Händen.
Die daff ist semitischen Ursprungs. Sie existierte bereits in vorislamischer Zeit und wurde auch Europa und Südasien verbreitet.

Süden

Rund um Basra gibt es eine große Vielfalt an Schlaginstrumenten. Neben der tabl werden auch kuenda gespielt. Kuenda sind Kesseltrommeln unterschiedlicher Form und Größe.
Von der afro-arabischen Bevölkerung werden der msondo und pipa geschlagen. Pipa bezeichnet eine Trommel auf einem Standfuß. In Ensembles werden außerdem die 6-saitige tambura und die lapinka, ein Muschelinstrument, eingesetzt. Von den Frauen wird bei ihren eigenen Zeremonien die kasar gespielt: Ein kleines Trommelpaar, das mit einem Schlegel geschlagen wird.

Eine zweifellige Trommel afrikanischen Ursprungs ist der msondo. Im südlichen Irak und in der Golfregion wird dieses Instrument in mehreren volkstümlichen Gattungen eingesetzt. Der msondo wird mit den bloßen Händen gespielt.

Die naqqara ist eine kleine, arabische Kesselpauke, die meist paarweise gespielt wird. Sie findet ihre Verwendung sowohl als Sakral- und Zeremonialinstrument, wie auch als Militärinstrument.
Beim Spielen werden die Pauken entweder auf den Boden gestellt oder zusammengebunden im Arm gehalten.
Der Kessel der naqqara ist aus Silber, Kupfer, Messing, Holz oder gebranntem Ton gefertigt.
Geschlagen wird das Instrument üblicherweise mit 2 Schlegeln. Der Durchmesser der größeren der beiden Pauken beträgt etwa 22 cm. Die andere ist etwas kleiner. Größere Kesselpauken wurden im mittleren Osten seit dem 12. Jahrhundert hauptsächlich in königlichen Kapellen eingesetzt. Diese Ensembles musizierten häufig zu Pferd oder Kamel. Sie bilden den Ursprung der europäischen Kavallerie-Pauken, die später zu den Orchesterpauken geführt haben.

References:

(1) Track 1, 4, 7, 9 from Unesco - Collection Musica Atlas: Irak. Emi 3C 064 - 18370
(2) Track 2, 3, 5, 6, 8, 10 from Music in World of Islam. Tangent TBX 601